
Pflegehund "Nicky" aus Deutschland - vor der Tötung gerettet
hier in Pflege gewesen
Vermittlung fiand über den Hundenothilfe Frankreich e.V. statt
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Ersteinschätzung (07.04.2010)
Mir zeigte sich Nicky anfangs etwas scheu und ängstlich. In ihrer neuen Umgebung wirkt sie erst sehr gestresst und war sehr unruhig. Aggressionen hat sie weder im Haus, noch auf dem Grundstück oder im Gelände gezeigt. Im Haus akzeptiert Nicky Katzen, draußen jagt sie sie lieber.
Sie begrüßt Leute die ihr entgegen oder auf`s Grundstück bzw. ins Haus kommen mit gewisser Unsicherheit. Diese äußert sie durch anbellen. Davon braucht man sich aber nicht irritieren lassen, denn sie freut sich letztendlich mehr über die Streicheleinheiten, die sie von für sie fremden Leuten bekommt.
Dominanten Hunden gegenüber ist sie sehr unterwürfig, aber wenn sie aufgetaut ist spielt sie mit voller Leidenschaft und ganzen Körpereinsatz.
Das Laufen an der Leine gehört im Moment noch nicht zu ihren Stärken. Kommando sitz und platz scheinen ihr ein Begriff zu sein, mal macht sie es, mal nicht.
Sie wird in den nächsten Tagen hier ein Training durch machen, wo sie das Laufen an der Leine lernt und den Umgang mit fremden Menschen.
1. Bericht
Nicky ist eine wunderbare Hündin, kaum zu glauben, dass man sie einfach töten lassen wollte. Nach nun über einer Woche hier in der Pflegestelle konnte ich nach wie vor in keiner Situation auch nur die geringste Aggression feststellen. Nicky versucht im Grunde nur immer alles richtig zu machen und will nur, dass man sie lieb hat. Im Haus verhält sie sich ruhig und ist sehr ausgeglichen. Auf dem Grundstück spielt sie ausgelassen. Sie geht jeglicher Konfrontation mit Artgenossen aus dem Weg und wenn sie angegriffen wird, so unterwirft sie sich nur und versucht nicht ein mal sich zu verteidigen.
Nicky lässt sich auch ohne Leine führen und mittlerweile super abrufen. Zeitweise bellt sie Fremde immer noch an, aber auch das hat bei ihr nichts mit Aggression zu tun.
Nicky kann gern als Zweithund in einen Katzen- und Kinderhaushalt. Allerdings sollte der Ersthund nicht zu dominant sein, damit Nicky sich frei entfalten kann und er sollte beim Spiel ordentliches Temperament haben, denn Nicky spielt nach wie vor gern mit vollem Körpereinsatz.
Da Nicky immer noch unter leichten Angstattacken leidet, sollte der neue Haushalt ihr weiter die Sicherheit geben, die sie so sehr braucht. Dennoch ist Nicky kein Angstbeißer, sie hat überhaupt keine Aggressionen in sich.
2. Bericht
Nicky hat sich sehr gut weiter entwickelt. Sie irgnoriert mittlerweile fremde Menschen auf der Straße total und zeigt auch nur noch wirkliches Interesse an Hunden, die genau an ihr vorbei gehen. Das Laufen auf Fuß ist noch etwas relativ, sie hält gern leichten Druck auf der Leine. Nicky kann sehr gut ohne Leine geführt werden, allerdings sollten dann keine Katzen oder fremde Hunde in der Nähe sein. Dort rennt sie sonst hin.
3. Bericht
Nicky hat noch immer an ihrer Vergangenheit zu knabbern. Vom Wesen her ist sie aufgeweckt und steckt voller Neugier und Energie. Obwohl sie erst ein Jahr alt ist, verhält sie sich noch in vielen Situationen wie ein kleiner Welpe. Sie holt offensichtlich jetzt erst auf, was sie als Welpe bereits hätte kennen lernen müssen.
Da man Tiere an ihren Verhaltensweisen und Tagesabläufen sehr gut lesen kann, wird einem verraten was in ihrer Vergangenheit vermutlich geschehen ist.
Nicky kann ihre Kräfte noch nicht kontrollieren und im Spiel mit anderen Hunden ist sie immer mit voller Kraft dabei. In keiner Weise mit Aggression, aber sie hat sehr viel Kraft und vor allem auch Schnelligkeit.
Da Nicky jetzt erst nach 4 Wochen hier in der Pflegestelle versteht, dass sie am Tag mehrmalig zum Gassi raus kommt und vor allem auch ordentliche Runden mit Toben ohne Leine kennen lernt, entwickelt sie sich langsam aber allmählich zu einem „normalen“ Hund. Nicky hatte eine sehr schlecht ausgebildete Muskulatur und auch ihre Bewegungsabläufe ließen darauf schließen, dass man mit ihr nicht wirklich spazieren ging. Auch am Verhalten der Urin- und Kotabgabe lässt sich stark vermutet, das Nicky ein, maximal zwei Mal am Tag kurz vor die Tür gelassen wurde um sich zu Lösen. Sie erledigte ihre Geschäfte in Sekunden und innerhalb von 10 m. Mehr machte sie nicht.
Sie versteht jetzt aber, dass sie sich Zeit lassen kann dabei. Sie hat auch eine wunderbare Muskulatur bekommen und lernt langsam auch, dass wir nicht nur vor die Tür gehen, sondern sie sich richtig bewegen darf. Ihre Bewegungsabläufe haben sich schon fast normalisiert und man sieht es ihr nur noch ganz wenig an, dass Nicky sich nicht frei bewegen konnte.
Nicky hat auch im Grundgehorsam einiges gelernt. Kommando sitz und platz beherrscht sie, bei Fuß ist es noch nicht so doll, da sie immer noch zu viel auf alles in der Umgebung achtet und alles immer noch zu interessant ist.
Bei Katzen auf der Straße lässt sie sich mittlerweile gut kontrollieren. Im Haus ignoriert sie sie bereits weitest gehend.
4. Bericht
Nicky holt gerade ihre gesamte Welpenzeit nach. Sie ignoriert gern mal den ein oder anderen Befehl oder versucht die ein oder andere Situation auszunutzen. Aber immer alles auf total niedliche Art.
Sie beherrscht das Kommando sitz und platz. Fuß gehen ist immer noch ein kleines Thema.
Leider kann Nicky viele Situationen einfach nicht einschätzen und wird dann sehr unsicher. Die Unsicherheit zeigt sich durch anbellen und Kamm aufstellen wie auch ein leichtes Grollen, aber denn noch tut sie niemanden etwas. Es kam in den 4 Monaten, die sie bereits hier in der Pflegestelle lebt nie zu einer heiklen Situation durch Nicky. Sie braucht einfach weiterhin konsequente Führung, die ihr den richtigen Lebensweg immer aufzeigt. Gewalt oder Druck sind definitiv der falsche Weg bei ihr. Alles muss mit Ruhe und mit Zeit geschehen.
Nicky kann auch ohne Probleme mit Kindern zusammen leben. Sie beschützt unseren 6-jährigen Sohn sogar.
Was im Haushalt vielleicht besser nicht sein sollte sind Kaninchen, Meerschweinchen oder Katzen. Katzen tut sie zwar nichts, aber sie jagt sie leidenschaftlich gern und verfolgt sie auch ausdauernd im Haus. Bei Kleintieren würde ich kein Risiko eingehen wollen. Sie lebt hier auf dem Hof mit Minischweinen und Zwergziegen zusammen, mit denen sie auch recht verträglich ist. Kaninchen und Wachteln jagt sie, diese haben wir auch auf unserem Hof und die Hühner ignoriert sie in der Regel. Unbekanntes versucht sie meist zu verbellen.
Fremden gegenüber ist Nicky recht reserviert. Sie mag nicht mit ihnen mitgehen, sondern hält sich nur an ihre Bezugspersonen. Daher ist für Nicky ein verständnisvoller und sehr geduldiger Haushalt wünschenswert, der vor allem Erfahrung mit Hunden hat, die nicht dem Standard entsprechen und mit Liebe und Geduld auf Nicky eingeht. Ein weiterer Hund wäre kein Problem. Gut wäre ein aktiver Rüde der ihr auch mal die Stirn bieten kann, bei einer Hündin müsste man es testen, denn Nicky hat Probleme mit dominanten Hündinnen. Diese versucht sie ebenfalls zu verbellen.
Ansonsten ist Nicky eine total liebenswerte Kuschelmaus. Sie ist derzeitig nur ein viel zu groß geratener Welpe, der es sehr gern hat, wenn man sie auch ab und zu mal als solches behandelt.
5. Bericht
Nicky wird langsam erwachsen und hat an Selbstbewusstsein gewonnen. Sie geht mit den meisten Situationen bereits sehr sicher um. Fremden gegenüber ist sie bereits auch viel entspannter. Je nach Sympathie bellt sie auch nicht mehr an.
Kinder sind für die Hündin überhaupt kein Problem, sie spielt leidenschaftlich gern mit ihnen und lässt so ziemlich alles mit sich machen. Sie apportiert mit Leidenschaft und mit voller Geschwindigkeit. Im Haus verhält sie sich leise, kann allein gelassen werden und gern als Zweithund gehalten werden. Am Besten zu einem Rüden, der ihr von der Kraft her gewachsen sein sollte und im Spiel mithalten kann.
Trotzdem ist Nicky kein Hund für Anfänger, da sie einen ausgeprägten Beschützerinstinkt ihrer Bezugspersonen gegenüber hat. Obwohl sie ihre Unsicherheiten und Angstattacken überwunden hat braucht Nicky eine sichere Führung, damit eben keine Unsicherheit in ihr aufkommt und sie neue Situationen nicht wieder überfordern.
6. Bericht (05.09.2011)
1 Jahr und 5 Monate lang suchte Nicky nach einem eigenen zu Hause. In dieser Zeit lebte sie hier in der Pflegestelle als vollwertiges Familienmitglied. Aber nun kam die Zeit für den Abschied in die neue Zukunft. Meine Prinzessin hat hier sehr sehr viel gelernt und sich sehr gut entwickelt und geprägt. Sie ist von einem ängstlichen Hundekind, welches nicht kannte und nichts konnte, zu einer stolzen und selbstbewussten Hundedame geworden. Sie hat ihr neues zu Hause jetzt bei Oschersleben gefunden und lebt dort nun mit einem neuem Herrchen und Frauchen, sowie zwei Katzen zusammen.
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